Allergischer Schnupfen: Warum Nase und Augen verrücktspielen
Shownotes
Allergischer Schnupfen ist für viele ein treuer, aber ungeliebter Begleiter durch das Jahr. In dieser Folge erklären Julia und Apotheker Flo zunächst, was bei einer Allergie im Körper passiert und warum Histamin für die typischen Symptome wie Niesen, tränende Augen und eine laufende Nase verantwortlich ist.
Wir zeigen, woran man eine allergische Rhinitis von einer Erkältung unterscheiden kann und warum Betroffene sich oft müde und abgeschlagen fühlen. Außerdem sprechen wir über einfache Maßnahmen wie Nasenduschen, richtiges Lüften und Alltags-Hygiene.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Antihistaminika: Welche Unterschiede gibt es zwischen älteren und neueren Wirkstoffen? Wann sind Nasensprays oder Augentropfen sinnvoll? Und bei welchen Warnzeichen sollte man ärztlichen Rat einholen…
Ziel der Folge ist es, Sicherheit zu geben und Betroffenen zu zeigen, wie sie ihre Beschwerden gut in den Griff bekommen können.
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Hallo ihr Lieben, schön, dass ihr wieder bei Rezeptfrei erklärt dabei seid. Ich bin Julia und wie immer spreche ich mit Flo über Gesundheitsthemen, die uns im Apothekenalltag ständig begegnen. Hallo Flo.
Hallo Julia, herzlich willkommen. Du Flo, heute habe ich ein Thema rausgesucht, was gerade zumindest jetzt, wo wir aufnehmen, ganz akut ist, denn es haselt. Sprich, der doofe, also wie ich finde, der doofe Hasel blüht. Und dann habe ich direkt die Augentränen und die Nase läuft. Lass uns doch mal heute über allergischen Schnupfen reden.
Ich kann dir da vollkommen zustimmen. Auch bei mir geht es schon wieder los. Die ersten Pollen sind unterwegs und meine Nase und meine Augen, vielleicht hört man es auch ein bisschen an der Stimme, reagieren direkt drauf. Das ist ein tolles Thema.
Der Frühling meint es irgendwie nicht gut mit uns, obwohl der noch nicht mal richtig da ist. Es ist ehrlich gesagt heute zumindest, also wenn ihr es hört, heute ist es arschkalt draußen. Ich sage es, wie es ist. Und trotzdem läuft einem die Nase und das Tränen, die Augen.
Ja, leider interessiert das die Hasel nicht. Die fängt trotzdem schon an. Genau, vielleicht hilft es ja schon mal zu verstehen, was da jetzt eigentlich passiert.
Flo, erklär mir doch mal, was läuft denn im Körper ab, wenn wir über allergischen Schnupfen sprechen?
Ganz im Prinzip ist es eine Überreaktion unseres Immunsystems auf bestimmte Stoffe. Jetzt in unserem Fall, wir reden ja über Pollen und über die Allergie auf Pflanzen. Und das wäre jetzt eine Überreaktion auf die Pflanzenstoffe, auf die Pollen, die in der Luft herumschweben und normalerweise eigentlich harmlos sein sollten. Aber das checkt unser Immunsystem nicht so ganz.
Es ist also doof, wolltest du sagen? Ja, genau.
Ja, also es ist natürlich schon irgendwo eine natürliche Reaktion. Also der Körper versucht sich ja immer zu schützen vor Stoffen, die auf einen einwirken. Jetzt in dem Falle sollte es eigentlich nicht so sein.
Aber das ist halt tatsächlich einfach so evolutionstechnisch bedingt, dass der Körper lernen muss, auf was reagiert er, auf was reagiert er nicht. Hier in dem Falle haben viele Menschen einfach das Problem, dass wir darauf reagieren. Okay, und dann, was macht der Körper dann? Er schüttet Histermin aus. Das ist ein Botenstoff im Körper, der zu diesen ganz typischen Reaktionen dann auch führt. Es wird mehr Flüssigkeit produziert. Deswegen haben wir so einen schleimigen Auswurf.
Die Nase ist verstopft, die Augen tränen. Also im Endeffekt reagiert der Körper mit dem Ausspülen der Schadstoffe.
Jetzt habe ich gerade allergischer Schnupfen gesagt und du hast schon die Augen wieder verdreht. Da gibt es wieder einen Fachbegriff. Komm, haus mir um die Ohren.
Ja, wir bezeichnen das als allergische Rhinitis.
Ganz einfach abgeleitet, die Rhinus ist vor allem die Nase und die Itis quasi immer eine Reaktion, eine Entzündung. Also es ist im Endeffekt Nasennebenhöhlenentzündung, Nasenentzündung. Irgendwie so kann man es ganz klassisch übersetzen.
Klingt mehr kompliziert, heißt aber einfach Dauerniesen, laufende Nase, juckende Augen. Ja, ganz genau richtig. Was viele ja unterschätzen, allergischer Schnupfen ist ja nichts, wo man jetzt so wirklich krank im Bett liegt.
Also so richtig leistungsfähig bin ich ja auch nicht.
Nee, denn das Histamin im Körper führt zu diesen typischen Reaktionen, wie wir es eben schon gesagt haben. Da kommt aber auch so ein bisschen gripsches Gefühl mit Müdigkeit, kann schon mit dazu kommen, weil der Körper einfach arbeitet.
Und da, wo das Immunsystem aktiv ist, das spüren wir dann in der Erkältung auch, da gibt es halt so eine Reaktion. Deswegen führt das alles dazu, was du auch gerade beschrieben hast. Also auch so, dass man so matschig ist und schlecht schläft.
Konzentrationsprobleme, die vielleicht auch durchaus durch den Schlafmangel dann vielleicht kommen. Aber das ist ganz typisch, weil es vom Immunsystem tatsächlich in der Erkältung dann schon etwas ähnelt zumindest. Ja, aber das ist ja im Grunde das, was total doof ist.
Weil man sagt ja permanent, nee, ich bin nicht erkältet, ich bin nicht ansteckend. Genau. Es haselt.
Ja, richtig. Es ist halt, es ähnelt sich ja sehr. Aber wie du schon sagst, wir sind nicht ansteckend.
Genau, aber dann ist ja eigentlich direkt die Frage, woran erkenne ich das denn? Ist das denn jetzt eine Allergie? Also ich weiß es jetzt. Ja. Aber woran erkenne ich denn, ob es eine Allergie ist oder eine Erkältung? Genau, also du hast es gerade schon, der wichtigste Punkt ist, die meisten Menschen wissen irgendwann, zu welchem Zeitpunkt, zu welcher Pflanzenzeit sie reagieren.
Und dann kann man das schon immer relativ gut einordnen. Eine Allergie geht nicht nach zwei, drei Tagen wieder weg, wird auch nicht besser nach zwei, drei Tagen. Das ist ein längerer Prozess in den meisten Fällen zumindest.
Eine Erkältung klingt im Normalfall nach einigen Tagen wieder ab, geht auch mit Widerschmerzen einher. Auch wirklich so ein richtig abgeschlagenes Gefühl, das habe ich bei einer Allergie nicht. Und es geht einfach immer zur gleichen Zeit los, obwohl es ja jetzt immer früher wird, muss man ja auch fairerweise sagen.
Das ist so. Der Klimawandel führt dazu, dass wir durchaus eine Pollenbelastung auch das ganze Jahr durch haben. Gut, wir hatten jetzt einen sehr strengen Winter, also für unsere Verhältnisse einen strengen Winter.
Dann merkt man tatsächlich, dass der Januar vielleicht doch etwas schwächer für die Pollen Situation ist. Aber es kann sein, dass die Haselnuss Mitte Januar anfängt zu blühen und dann geht es los. Jetzt sind wir ja beide betroffen.
Mal Hand aufs Herz, was hilft dir denn? Das ist ja immer so ganz nett, weil man hört ja, der eine sagt das, der andere sagt das. Aber was hilft denn jetzt so wirklich, um das so ein bisschen jetzt abzumildern? Also ich finde eine Nasendusche immer eine ganz schöne Situation, um quasi die Pollen sprichwörtlich rauszuwaschen von den Schleimhäuten. Das hilft im Akutfall durchaus, zumindest um die Symptome etwas zu lindern.
Ganz wichtig ist so diese Hygiene in Anführungszeichen. Abends die Kleidung wechseln, gar nicht erst ins Schlafzimmer gehen mit der Kleidung. Sich vielleicht auch dementsprechend duschen, die Haare waschen zumindest, damit auch da die Pollenbelastung im Schlafzimmer zumindest reduziert wird.
Und gezieltes Lüften. Nicht in den Mittagsstunden, wenn es wirklich jetzt auch noch in den Frühjahrsmonaten etwas wärmer wird. Das macht die Pollenbelastung etwas höher.
Aber auch nicht gerade in den windigen Tagen oder windigen Situationen, wo wir uns quasi die Pollen ins Schlafzimmer tragen würden. Da geht es mir jetzt eigentlich bewusst ums Schlafzimmer. Nicht um die Räumlichkeiten sonst drumherum, sondern damit wir zumindest einen erholsamen Schlaf haben.
Und irgendwann kommt ja der Punkt, da merkt man jetzt ja, das hilft ja nun alle nicht. Das ist zwar alles ganz nett, aber es juckt ja trotzdem. Was mache ich denn dann? Es gibt natürlich Medikamente, die wir einnehmen können.
Wir haben ja eben gerade gesprochen von dem Histamin. Und es gibt genau Medikamente, die gegen dieses Histamin arbeiten. Man nennt sie Antihistaminika.
Das ist dann der Part, der einfach dann akut helfen soll. Ich nehme das total ungern, weil da wird man total matschig von. Ja, das stimmt schon.
Die ältere Generation der Wirkstoffe ist tatsächlich macht müde. Das ist von der Wirkungsweise tatsächlich einfach nicht anders. Das ist ganz klar.
Also alles, was das Histamin blockt, ist automatisch machtmüde, weil es im Körper genau so hinterlegt ist. Da können wir nichts dran ändern. Man hat es aber in den neuen Generationen rausgezüchtet, kann man jetzt mal in Anführungszeichen sagen.
Also man hat eine Weiterentwicklung betrieben und hat geschaut, okay, wie bekommen wir das hin, dass die Wirkstoffe nicht mehr so müde machen. Und man wusste ganz genau, wo es chemisch dran liegt und hat sich jetzt genau auf diese chemische Form hingerichtet. Und das hat man mit den neuesten Generationen auch ganz gut hinbekommen.
Das heißt nur, weil ich früher davon müde wurde, kann ich jetzt die neuen wirklich gut nehmen. Ja, genau. Es gibt auch immer noch Menschen, die auch auf die ältere Generation, auf die Standardmedikamente, überhaupt nicht mit Müdigkeit reagieren.
Andere, da zähle ich mich auch selbst zu. Wenn ich einer der Antihistaminika nehme, dann fühle ich mich aus dem Leben genockt quasi, weil ich wirklich extremst müde werde davon. Manche reagieren da gar nicht drauf.
Also das ist auch wieder so eine individuelle Geschichte. Da muss man einfach gucken, was ist das Beste für einen. Okay, also da ist dann auch wirklich die Beratung, damit man guckt, was macht derjenige, muss man dann nach Auto fahren? Ja, genau.
Sind die Symptome am stärksten? Sind sie tagsüber? Sind sie mal von Tag zu Tag auch unterschiedlich? Brauche ich da was Akutes für? Denn wenn ich jetzt ein Mittel habe, was tendenziell etwas müde macht, ich brauche es aber vielleicht nur alle vier, fünf Tage, dann nehme ich es ein, werde dann aber davon müde, ist es ja blöd. Dann nehme ich lieber eins, was nicht müde macht und habe das dann mal in der Hosentasche, falls ich es dann wirklich akut brauche. Jetzt habe ich einen Mythos für dich.
Den habe ich nämlich gelesen in der Vorbereitung dieser Aufnahme. Da stand, wenn ich bestimmte Nahrungsmittel weglasse, wird meine Allergie besser. Sag mal, stimmt das? Nee.
Okay. Also es ist schwierig, so ganz einfach zu beantworten, weil es natürlich schon Kreuzallergien gibt. Das heißt, dass ich durchaus auf Nahrungsmittel, die mit der Pflanze verwandt sind, auf deren Pollen ich allergisch reagiere, ist aber super selten, dass es jetzt wirklich zu einer akuten allergischen Reaktion führt.
Das sind dann so Minimalsteffekte. Also es heißt nicht weniger Brot, es heißt automatisch weniger Schnupfen bei Birkenpollen. Ja, ganz genau.
Oder weil ich auf Graspollen allergisch reagiere, dass ich jetzt auf einmal eine Weizenmehlallergie habe oder sowas. So funktioniert es tatsächlich nicht. Also ganz wichtig, nicht irgendwas auf eigene Faust streichen, nur weil man das im Internet gelesen hat.
Genau. So allergischer Schnupfen oder wie hast du gerade das genannt? Sag es mir nochmal. Rhenitis.
Allergische Rhenitis. Danke. Ist ja kein Einwahlthema.
Das zieht sich ja oft so durch diese ganze Jahreszeit durch. Also das ist ja auch nichts, was ich jetzt mal mit einem normalen Schnupfenspray oder so einfach behandeln kann. Richtig.
Da sind wir natürlich durchaus das ganze Jahr auch die Begleiter. Wir versuchen das auch rauszubekommen, was jetzt am besten hilft. Oftmals beginnt es wirklich vielleicht mit einer Erkältung, in Anführungszeichen.
Oder man denkt, man hätte eine Erkältung, behandelt es auch wie eine Erkältung. Und beim dritten Kauf vom Nasenspray wird dann vielleicht mal doch jemand in der Apotheke hellhörig. Oder man selbst, wenn man gefragt wird, oh, das sollte ich eigentlich nicht länger als zehn Tage nehmen.
Und kommt dann darauf, die Symptome sind ja doch schon länger da, als es mir bewusst war. Und dann kommt man so auf die Idee, dass es eine Allergie sein kann und behandelt das dann dementsprechend auch richtig. Genau.
Und das ist ja auch nicht nur meistens nicht nur die Nase, sondern auch die Augen. Und da gibt es ja auch inzwischen Präparate für. Ganz genau.
Also da kommt es natürlich auch auf dieses Gesamtportfolio der Symptome drauf an. Nutze ich nur Augentropfen? Nutze ich einen Nasenspray? Brauche ich was, was eine Kombination aus beidem macht? Reicht mir eine Tablette aus? Das sind wirklich so individuelle Dinge. Da kommt es ganz klar auf die Symptome drauf an.
Und auch der Schritt, wann muss ich vielleicht doch mal zum Arzt? Oder wann brauche ich ein kortisonhaltiges Nasenspray? Das müssen wir einfach dann im Gespräch herausfinden. Jetzt hast du es gerade schon gesagt. Muss ich doch mal zum Arzt.
Wann muss ich denn zum Arzt? Sehr, sehr starke Symptome, die ich vielleicht auch mit den freiverkäuflichen Antihistaminikern nicht in den Griff bekomme. Das wäre so der erste Punkt. Es gibt natürlich auch immer noch eine Generation an Antihistaminikern in Kombination mit Kortisonen, die verschreibungspflichtig wären.
Also da geht es dann einfach im Endeffekt nur um die Symptombekämpfung. Es wäre aber auch eine Atemnot, die definitiv ärztlich behandelt werden muss. Wir müssen immer daran denken, man nennt das Etagenwechsel in der Allergie, dass wir ein Asthma daraus entwickeln können.
Das heißt, es geht quasi von der Nasennebenhöhle in die Lunge, in die Bronchien. Und das ist so ein Schritt, den wir definitiv beobachten müssen. Und deswegen sind wir so konsequent dabei, die Allergie zu behandeln, damit wir gar nicht erst in diese chronische Erkrankung reinkommen.
Und vielleicht auch einfach mal, um einen Allergietest zu machen, um zu gucken, gegen was bin ich denn eigentlich allergisch? Richtig. Man kann jetzt irgendwie ein Ausschlussprinzip machen und kann sagen, im Frühjahr werden es die Bäume sein, im Sommer sind es die Gräser. Aber das hilft mir manchmal nicht weiter.
Es kann ja auch immer mal noch eine Tierhaarallergie mit dabei kommen. Die berühmte Hausstaubmilbe. Die Hausstaubmilbe, genau.
Also man sollte das schon irgendwann mal prüfen lassen. Man kann natürlich sehr, sehr schön auf eigene Faust gucken. Ist es eine Allergie? Ja, nein.
Aber was? Das sollte man definitiv mal überprüfen lassen. Aber man kann jetzt sagen, also so eine allergische Schnupfen oder allergische... Rhenitis. Danke, ist jetzt auch keine Kleinigkeit.
Nee, da hatte ich ja gerade rausgestellt, die sollten wir ja schon definitiv behandeln, um halt diese chronische Erkrankung gar nicht erst aufkommen zu lassen. Aber es ist eine einfache Behandlung. Dann sagen wir jetzt einfach mal, kommt gerne vorbei, wie immer.
Denn unsere Tipps hier im Podcast sind natürlich keine medizinische Beratung. Das stellen wir ja immer ganz deutlich heraus. Jeder ist anders.
Und das hat Flo ja auch gerade mehrfach betont. Nicht jedes Produkt ist für jeden geeignet. Deswegen kommt gerne vorbei.
Sprecht uns an. Wir beraten euch gerne. Und wir sagen einfach mal wieder Danke fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.
Ja, ich freue mich auf euch. Bis dann. Bleibt gesund.
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